Programm Dokumentation/Berechnung/Wärmepumpe
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Was berechnet wird
Die Wärmepumpe hebt Umweltwärme auf Nutztemperatur. Der Lauf ermittelt für jede Stunde aus der Quelltemperatur und dem Kennfeld des Geräts die Leistungszahl (COP) und die thermische Leistung, deckt damit den offenen Bedarf, lädt Pufferspeicher und schreibt den zugehörigen Strombedarf fort. Dazu kommen der Heizstab als letzte Deckungsstufe, die Bivalenzregelung gegen einen zweiten Erzeuger und die Sperrzeiten des Energieversorgers.
Ergebnisgrößen sind die Wärmeproduktion, der Strombedarf der Wärmepumpe, der Strombedarf des Heizstabs, die Laufzeit, der ermittelte Bivalenzpunkt und die daraus gebildete Jahresarbeitszahl.
Eingangsgrößen
| Größe | Einheit | Herkunft im Programm |
|---|---|---|
| Offener Wärmebedarf je Kanal | kWh je Stunde | Ergebnis der vorgelagerten Kaskadenstufen |
| Außentemperatur | °C | Klimadatenreihe der Klimaregion, 8 760 Stundenwerte |
| Kennfeld: Quelltemperatur, COP, thermische Leistung je Vorlauftemperatur | °C, —, kW | Kennlinien-Editor der Wärmepumpe (Projektkopie des Katalogkennfelds) |
| Bauart (Luft/Wasser, Sole/Wasser, …) | — | Wärmepumpenkatalog, Feld „Typ" |
| Nennleistung | kW | Wärmepumpenkatalog |
| Heizstableistung | kW | Dialog „Wärmepumpe", Abschnitt „Kenndaten", Feld „P Heizstab" |
| Vorlauftemperatur, Rücklauftemperatur | °C | Dialog „Wärmepumpe", Abschnitt „Auslegung" |
| Heizstab ein/aus | — | Abschnitt „Spitzenlast und Betrieb", Schalter „Heizstab" |
| Sperrzeit ein/aus, von, bis | —, h | derselbe Abschnitt |
| Bivalenter Betrieb, Betriebsart, Bivalenztemperatur | —, °C | derselbe Abschnitt; die Bivalenztemperatur erscheint nur, wenn sie rechenwirksam ist |
| Wärmequelle (Außenluft, konstant, Erdreich, Quellprofil, CSV-Reihe, Pufferspeicher) | — | Simulationskonfiguration, Karte der Anlage, Chip „Wärmequelle" |
| Leistungssteuerung (laufzeit-, leistungs- oder PV-optimiert) | — | Simulationskonfiguration, Chip „Betriebsmodus" |
| Wärmesenken und Ladeaufträge | — | Simulationskonfiguration, Chips „Wärmesenke" und „Pufferspeicher" |
| Anlagenpriorität, Ladepriorität | 1…99 | Simulationskonfiguration; Vorgabe 20 für die Wärmepumpe |
| Extrapolation erlaubt | — | Projekteinstellung; Vorbelegung „erlaubt" |
Rechenweg
Gerechnet wird im festen Jahresraster von 8 760 Stunden. Höchstens zehn Module je Projekt gehen in die Rechnung ein; sie arbeiten in jeder Stunde in Anlagenpriorität nacheinander.
Schritt 1 — Quelltemperatur je Stunde
Sie entscheidet über alles Weitere. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe nimmt immer die Außentemperatur; sonst gilt die eingestellte Wärmequelle:
| Wärmequelle | Quelltemperatur der Stunde |
|---|---|
| Außenluft | die Außentemperatur der Klimareihe |
| Konstante Temperatur | der eingegebene Wert, für alle 8 760 Stunden |
| Erdreich, Erdsonde | konstant über das Jahr, aus dem Jahresmittel der Außentemperatur plus dem geothermischen Anteil über die Sondenlänge (VDI 4640 Blatt 1) |
| Erdreich, Kollektor | Jahreswelle nach Kusuda über Verlegetiefe und Bodenart; ohne Werte gelten 1,5 m und „Sand feucht" |
| Quellprofil | 12 Monats-, 365 Tages- oder 8 760 Stundenwerte, auf das Jahresraster gekachelt (die Tagesvariante kalenderunabhängig) |
| CSV-Reihe | die eingelesene Reihe |
| Pufferspeicher | die gepflegte Quelltemperatur; sonst der Mittelwert (Vorlauf + Rücklauf)/2 des gewählten Puffers. Ist der Puffer zugleich Senke eines anderen Erzeugers, folgt die Temperatur stündlich dem Speicherzustand an der Entnahmehöhe |
Lässt sich eine Quelle nicht auflösen — kein Profil, keine lesbare Datei, kein gewählter Puffer —, gilt ersatzweise die Außentemperatur, und der Lauf sagt es im Protokoll. Das ist eine Ersatzannahme mit voller Wirkung auf die Jahresarbeitszahl.
Schritt 2 — Kennfeldauswertung
Das Kennfeld führt je Vorlauftemperatur Stützstellen aus Quelltemperatur, COP und thermischer Leistung, nach Quelltemperatur absteigend. Zu einer Quelltemperatur T:
T ≥ oberste Stützstelle → KAPPUNG auf deren COP und Leistung (keine Extrapolation nach oben)
T innerhalb des Feldes → lineare Interpolation zwischen den zwei umgebenden Stützstellen
— getrennt für COP und für die Leistung
T < unterste Stützstelle → siehe unten
nur EINE Stützstelle → deren Werte gelten konstant
P_el = P_therm / COP
Unterhalb der untersten Stützstelle gibt es zwei Wege:
- Bei einer temperaturgekoppelten Puffer-Quelle (Booster) wird auf die unterste Stützstelle
gekappt. Eine lineare Verlängerung der Herstellerkennlinie wäre dort eine erfundene Betriebskennzahl — der Fall heißt nicht „Extremkälte", sondern „der Quellpuffer steht gerade auf Rücklaufniveau".
- Bei jeder anderen Quelle entscheidet die Projekteinstellung: erlaubt (Vorbelegung) heißt
lineare Extrapolation über die zwei untersten Stützstellen, einmal im Protokoll vermerkt; verboten bricht den Lauf mit einer Meldung ab, die Gerät und Untergrenze nennt.
Beide Kappungen werden je Modul gezählt und einmal am Laufende gemeldet — mit der Zahl der betroffenen Stunden und dem Temperaturbereich. Bei einem Booster (Quelle 30…50 °C, Herstellerkennlinien meist bis rund 20 °C) ist die Kappung nach oben der Normalfall.
Schritt 3 — Betriebsarten und Sperrzeiten
Auf das Kennfeldergebnis wirken drei Regeln, in dieser Reihenfolge:
Bivalenter Betrieb — maßgeblich ist die Außentemperatur, nicht der Bedarf:
teilparallel → T_außen ≤ Bivalenztemperatur : die Wärmepumpe ist aus parallel → die Wärmepumpe läuft weiter, der zweite Erzeuger unterstützt alternativ → T_außen < Bivalenztemperatur : die Wärmepumpe ist aus
Der Unterschied zwischen ≤ und < betrifft nur die Stunden mit exakter Gleichheit. Der Vorbelegungswert der Bivalenztemperatur ist 0 °C; er gilt wörtlich — eine Ersatzregel für 0 würde die Anlagen falsch rechnen, die diesen Wert bewusst führen. Steht eine alternativ betriebene Anlage auf 0 °C, weist der Lauf einmalig darauf hin.
Sperrzeit — ist sie eingeschaltet und liegt die Tagesstunde im Fenster von…bis, sind thermische und elektrische Leistung 0.
Wärmequelle Pufferspeicher — die Verdampferwärme muss aus dem Speicher kommen:
Q_Quelle = P_therm − P_el
reicht der Speicherinhalt nicht: Faktor = SOC / Q_Quelle
P_therm und P_el werden mit dem Faktor gekürzt
Die tatsächlich entnommene Quellwärme wird dem Speicher abgezogen. Ist der Quellpuffer zugleich Senke eines anderen Erzeugers, wird die Entnahme diesem gutgeschrieben und der Wärmepumpe entsprechend von ihrer Direktdeckung abgezogen — sonst wäre dieselbe kWh zweimal als Deckung ausgewiesen.
Schritt 4 — Bedarfsdeckung
Gedeckt wird nur über Direktsenken; eine Anlage ohne Direktsenke lädt ausschließlich.
verfügbar = offener Bedarf der eigenen Senkenkette (bei reiner Ladeanlage: Bilanzraum des Puffers)
P_therm < verfügbar?
ja → es wird P_therm gedeckt, Strom = P_el, Laufzeit + 1
nein → es wird "verfügbar" gedeckt, Strom = verfügbar / COP,
Laufzeit + verfügbar / P_therm
Die Laufzeit wird also als Vollbenutzungsstunde geführt, nicht als Betriebsstunde.
Schritt 5 — Ladepotenzial und Leistungssteuerung
Was über den Momentanbedarf hinaus erzeugt werden darf, entscheidet der Betriebsmodus:
| Modus | Ladepotenzial der Stunde |
|---|---|
| laufzeitoptimiert (Vorgabe, auch bei unbekanntem Wert) | die volle thermische Leistung — lange Laufzeiten, wenig Takten |
| leistungsoptimiert | keines — die Wärmepumpe moduliert auf den Bedarf. Ausnahme: eine reine Ladeanlage ohne Direktsenke lädt wie im laufzeitoptimierten Fall, sonst stünde sie still |
| PV-optimiert | begrenzt auf den PV-Überschuss der Stunde: min(P_therm ; PV-Rest · COP); sonst wie leistungsoptimiert
|
Das PV-Budget wird hier nicht verbraucht — es geht nur als Obergrenze ein. Abgebucht wird erst in der Ladephase, und zwar um die tatsächlich geladene Menge: Sonst wäre das Budget für das zweite Modul verbraucht, ohne dass eine kWh PV-Strom geflossen wäre.
Mit dem Vorgaberang 20 lädt die Wärmepumpe nach der Solarthermie (10), aber vor BHKW (30) und Heizkessel (40) — sie profitiert vom leeren Speicher.
Schritt 6 — Heizstab
Der Heizstab ist die letzte Stufe der Stunde: nach Bedarfsdeckung, Ladephase und Nachentladung, vor dem Stundenabschluss. Er läuft nur, wenn er eingeschaltet ist, sieht den aggregierten offenen Rest (Heizung und Warmwasser, mit Warmwasservorrang) und ist je Modul auf seine Heizstableistung begrenzt:
Menge = min( offener Rest ; Heizstableistung des Moduls )
Seine Wärme kostet Strom im Verhältnis 1:1 — der Heizstab hat keine Leistungszahl. Der Strombedarf der Wärmepumpe und der des Heizstabs gehen beide in den Strombedarf des Projekts ein.
Schritt 7 — Bivalenzpunkt und Jahresarbeitszahl
Der ausgewiesene Bivalenzpunkt ist ein Ergebnis, keine Eingabe: die höchste Außentemperatur, bei der nach Deckung, Ladung und Nachentladung noch Wärmebedarf offen blieb — gemessen vor dem Heizstab.
Die Jahresarbeitszahl wird aus den Jahressummen gebildet und schließt den Heizstab ein:
JAZ = Wärmeproduktion / (Strom der Wärmepumpe + Strom des Heizstabs)
Grenzen und Annahmen
- Keine Taktung, kein An/Aus innerhalb der Stunde. Eine Stunde ist voll, moduliert oder aus;
Mindestlaufzeiten, Mindestpausen und Anlaufverluste bildet das Modell nicht ab.
- Keine Extrapolation nach oben. Oberhalb der obersten Stützstelle gilt deren COP —
konservativ, aber es gibt dort keine Herstellerdaten.
- Keine Abtauverluste und keine Feuchtekorrektur bei Luft/Wasser-Geräten. Was das Kennfeld
ausweist, gilt.
- Keine Vorlauftemperatur-Regelung im Lauf. Das Kennfeld wird zu der Vorlauftemperatur
ausgewertet, die an der Anlage steht; eine witterungsgeführte Heizkurve gibt es nicht.
- Kein Kühlbetrieb in der Jahressimulation. Ein Kühlkennfeld lässt sich pflegen, es geht in
die Wärmebilanz nicht ein.
- Der Heizstab hat keinen eigenen Wirkungsgrad — eine kWh Wärme kostet eine kWh Strom.
- Fünf Katalogspalten hat kein Leser (Befund W14a‑E‑8‑B2): Länge, Breite, Höhe, Gewicht und
Raumbedarf kommen aus dem VDI‑3805-Import, werden ins Projekt kopiert und im ganzen Bestand nirgends gelesen. Sie sind die einzigen Spalten aller sieben Gerätekataloge ohne jede Verwendung.
- Höchstens zehn Module je Projekt.
- Strompreis, Wärmepumpentarif und Kapitaldienst gehören zur Wirtschaftlichkeit; der Lauf
liefert ihr die Strommengen.
Ergebnisse und wo sie stehen
- Simulationsergebnis, Reiter „Wärmepumpe" — je Modul Wärmeproduktion, Strombedarf,
Laufzeit und Heizstabanteil; dazu die Ganglinien von Produktion, Strombedarf und Quelltemperatur.
- Simulationsergebnis, Reiter „Übersicht" — Deckungsanteil, Jahresarbeitszahl,
Vollbenutzungsstunden und der Stromverbrauch des Heizstabs.
- Simulationsergebnis, Reiter „Ergebnis" — der Anteil der Wärmepumpe am Strombedarf.
- Simulationsprotokoll — Kappungen nach oben und unten mit Stundenzahl und Temperaturbereich,
Extrapolationshinweis, nicht auflösbare Quellen, Bivalenztemperatur auf dem Vorbelegungswert.
- Bericht und Wirtschaftlichkeit — Strommengen, JAZ und Vollbenutzungsstunden.
Bezüge
- Wärmepumpe — Bedienung der Dialoge, Katalog, Kennlinien-Editor
- Wärmequelle Erdreich — Sonden- und Kollektorauslegung, VDI 4640
- Berechnung: Simulationsablauf — Kaskade, die sieben Phasen der Stundenschleife
- Berechnung: Pufferspeicher — Ladeordnung, Schichtung und die Quelle „Pufferspeicher"
- Berechnung: Photovoltaik — Herkunft des PV-Überschusses der Leistungssteuerung
- Berechnung: Heizkessel — der übliche zweite Erzeuger im bivalenten Betrieb
- Klimadaten — Herkunft der Außentemperaturreihe
- Wirtschaftlichkeit — Wärmepumpentarif, Strompreis, Kapitaldienst