Programm Dokumentation/Berechnung/Brauchwasser
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Was berechnet wird
Der Brauchwasserwaermebedarf als Reihe von 8 760 Stundenwerten [kWh] — der zweite der drei Bedarfskanaele. Grundlage ist je Profil ein Satz aus zwoelf Monatswerten und einem Wochenprofil mit 168 Stundenwerten; daraus entsteht der Jahresgang.
Ausgewiesen werden die Jahressumme und die zwoelf Monatssummen. Die Temperaturen des Trinkwassers, die Zirkulation und die Speicherverluste rechnet diese Seite nicht — sie stecken in den Katalogwerten bzw. gehoeren zum Pufferspeicher.
Eingangsgrößen
| Groesse | Einheit | Herkunft im Programm |
|---|---|---|
| Brauchwasserprofile des Projekts | — | Dialog „Brauchwasserwärme", Liste „Ausgewählt im Projekt" |
| Zwoelf Monatswerte je Profil | MWh je Bezugseinheit | Brauchwasserkatalog (Kopfsatz des Profils) |
| Typbezug des Profils | — | Kopfsatz des Profils, Feld „Typ" |
| Wochenprofil, 168 Stundenwerte | beliebige Skala | Brauchwassertyp-Katalog, Reiter „Wochenwerte" |
| Jahressumme des Projekts | MWh | Dialog „Brauchwasserwärme", Feld „Jahresverbrauch"; leer oder 0 = Katalogwerte gelten unveraendert |
| Wochentag des 1. Januar | — | aus den Klimadaten der Projektregion abgeleitet |
Rechenweg
1. Profile des Projekts sammeln
Der Lauf holt die Namen aller dem Projekt zugeordneten Brauchwasserprofile und rechnet sie nacheinander in denselben Zielvektor — die Stundenwerte addieren sich. Kopf- und Typdaten kommen dabei aus den Projektkopien der Kataloge, nicht aus dem Katalog selbst: Der Anwender darf ein uebernommenes Profil im Projekt aendern, ohne den Katalog zu beruehren.
Findet sich zu einem Namen kein Kopfsatz, geht das Profil mit Anteil 0 ein und der Lauf meldet es. Fehlt der Typbezug ganz, bricht die Brauchwasserrechnung ab.
2. Jahressumme des Projekts einrechnen
Hat der Anwender im Projekt eine eigene Jahressumme hinterlegt, werden die zwoelf Monatswerte linear darauf skaliert:
jv = Summe der zwoelf Katalog-Monatswerte pjv = Jahressumme des Projekts Monatswert_neu(m) = Monatswert(m) * pjv / jv fuer alle m, wenn pjv > 0
Ist pjv gesetzt, jv aber null, wird das Profil uebersprungen und gemeldet — die Rechnung waere sonst 0 · pjv / 0 und damit in allen zwoelf Monaten unbestimmt.
Die Verteilung bleibt dabei unveraendert; die Jahressumme aendert nur die Hoehe.
3. Wochenprofil auf das Jahr kacheln
Das 168-Stunden-Profil wird ab dem tatsaechlichen Wochentag des 1. Januar fortlaufend ueber das Jahr gelegt:
Start = Wochentag(1. Januar) * 24 (Montag = 0 … Sonntag = 6) Jahreswert(h) = Wochenprofil( (Start + h) mod 168 ) fuer h = 0 … 8759
Das Wochenprofil ist so gelesen, dass die Stunden 1 bis 24 der Montag sind und 145 bis 168 der Sonntag.
Ein Wochenprofil, dessen 168 Werte in der Summe null sind, wird uebersprungen und gemeldet — der naechste Schritt teilte sonst durch null.
4. Monatsweise auf die Monatswerte normieren
Erst dieser Schritt macht aus der Form eine Energiemenge:
je Monat m: S = Summe der gekachelten Jahreswerte innerhalb des Monats Jahreswert(h) = Jahreswert(h) / S * Monatswert(m) * 1000 fuer alle h im Monat m
Daraus folgt zweierlei, und beides ist wichtig zu wissen:
- Die Skala des Wochenprofils ist frei. Ob die 168 Werte in Prozent, in Litern oder in
Kilowattstunden stehen, aendert am Ergebnis nichts — nur ihr Verhaeltnis zaehlt. Der mitgelieferte Katalog fuehrt sie als Prozent des Wochenbedarfs (Summe der 168 Werte = 100).
- Die Monatswerte bestimmen allein die Energiemenge. Der Faktor 1 000 rechnet die
Monatswerte von MWh in kWh.
Die Monatsgrenzen sind Stundenindizes eines Nicht-Schaltjahres (Januar 0…743, Februar 744…1415 und so fort bis Dezember 8016…8759).
5. In den Kanal und in die Bilanz
Der fertige Vektor geht in den Brauchwasserkanal. Ausgewiesen wird die Jahresmenge als
Jahresmenge [MWh] = Summe der 8 760 Stundenwerte / 1000
und zwar vor der Verteilung der Netzverluste. Der Stundenvektor bekommt seinen anteiligen Netzverlust danach dazu (siehe Berechnung: Wärmebedarf, Schritt 7) — die Waermepumpe rechnet mit dem Vektor, nicht mit der ausgewiesenen Menge.
6. Der mitgelieferte Katalog
Der Auslieferungskatalog fuehrt 11 Wochen-Stundenprofile und 13 Monatswertsaetze (Stand 02.08.2026). Vier davon sind Normdaten aus VDI 6002 Blatt 1 und 2 und deshalb schreibgeschuetzt:
- Wohnen gross (VDI 6002 Blatt 1, Anhang D — Bilder D1 bis D5),
- Studentenwohnheim (VDI 6002 Blatt 2, Tabelle 3 und Bilder 2/3),
- Seniorenheim (VDI 6002 Blatt 2, Bilder 6/8/9),
- Krankenhaus (VDI 6002 Blatt 2, Bild 10; der Jahresgang folgt dem Seniorenheim).
Die uebrigen sieben — MFH Wohnen, EFH Wohnen, Hotel (in drei Jahresgangvarianten), Pflegeheim, Buero/Verwaltung, Sportstaette/Duschen, Schule — sind generische Profile des Hauses und frei aenderbar.
Die Monatswerte beziehen sich auf 60/10 °C und eine Bezugseinheit (Person, Bett, Zimmer, Nutzer). Der Zusammenhang zum spezifischen Bedarf lautet
Jahresmenge [MWh/a] = Zapfmenge [l/(Einheit*d)] * 365 * 50 K * 1,163 / 1000000
(1,163 Wh/(l·K) ist die spezifische Waermekapazitaet von Wasser, 50 K die Spreizung von 10 auf 60 °C.) Richtwerte des Katalogs: Wohnen gross 28, Studentenwohnheim 37, Seniorenheim 36, Krankenhaus 38, MFH und EFH 35, Hotel 60 je Zimmer, Pflegeheim 50 je Bett, Buero 8, Sportstaette 30, Schule 5 l/(Einheit·d).
Fuer Hotel, Buero, Sportstaette und Schule gibt die VDI keinen Jahresgang vor. Dort bildet der Katalog ihn als
Monatsfaktor(m) = Nutzung(m) * Kaltwasserfaktor(m)
und normiert auf die unveraenderte Jahressumme. Der Kaltwasserfaktor kommt aus einer gedaempften Waermewelle im Erdreich (Verlegetiefe 2,0 m, Temperaturleitfaehigkeit 0,8 · 10⁻⁶ m²/s, daraus Daempfungstiefe 2,83 m, Daempfung 0,494, Phasenverzug 41 Tage) und laeuft ueber das Jahr von 1,083 im Februar bis 0,917 im August. Die VDI-Typen bekommen diesen Faktor nicht — ihre Monatsprofile sind Messwerte des Waermebedarfs, in denen der Effekt schon steckt.
Grenzen und Annahmen
- Kein Zapfmodell. Gerechnet werden Stundenmittelwerte, keine einzelnen Zapfungen. Gleichzeitigkeit, Spitzenzapfung und Bereitschaftsvolumen nach VDI 6002 sind damit nicht abgedeckt — die Auslegung eines Speichers ist eine andere Rechnung als dieser Bedarf.
- Keine Temperaturen im Rechenweg. Der Bedarf kommt als Energiemenge herein; Trinkwarmwassertemperatur, Kaltwassertemperatur und Spreizung stecken in den Katalogwerten, nicht in der Formel. Wer bei anderer Spreizung rechnet, aendert die Monatswerte.
- Keine Zirkulationsverluste als eigener Posten. Sie sind entweder in den Katalogwerten enthalten oder ueber die Netzverluste abzubilden.
- Kein Legionellenbetrieb, keine Nachheizung als eigener Vorgang.
- Der Wochengang ist starr. Dasselbe 168-Stunden-Muster gilt fuer alle 52 Wochen; Feiertage, Betriebsferien und Belegungsschwankungen bildet allein der Monatswert ab.
- Die Monatsnormierung glaettet. Innerhalb eines Monats verschiebt der Kalender nur die Verteilung; die Monatsmenge bleibt, unabhaengig davon, wie viele Wochenenden im Monat liegen.
- EINE Unstimmigkeit in der Anzeige, bewusst offen (W8‑O‑5b, Stand 06.09.2026): Der Lauf weist die Brauchwassermenge in MWh aus (Summe / 1 000). Die Vorschau der Bedarfsdialoge dagegen reicht die nackte Summe der Stundenreihe weiter, also kWh — der Teiler, den der Prozesszweig hat, fehlt dort seit jeher. Die Anzeige nimmt den Wert seit dem Anwenderentscheid W8‑O‑5 ausdruecklich als kWh entgegen und rechnet selbst um; die Zahl auf dem Bildschirm ist damit richtig. Dass die zwei Wege verschiedene Einheiten fuehren, ist notiert und braucht einen eigenen Entscheid.
- Der Auslieferungskatalog kann bei einer Datenbankmigration verlorengehen — die neuen VDI-Typen sind kein Bestandteil des alten Migrationsskripts. Vor einer Migration Sicherung anlegen.
Ergebnisse und wo sie stehen
- Dialog „Brauchwasserwärme", Knopf „Simulation…" — Jahresmenge und die zwoelf Monatswerte der ausgewaehlten Profile, dazu der monatliche Verlauf.
- Simulationsergebnis, Reiter „Wärme-/Strombedarf" — der Brauchwasseranteil im Jahresbedarf.
- Bericht — Bedarfsuebersicht.
- Laufprotokoll — uebersprungene Profile (kein Kopfsatz, kein Wochenprofil, Monatssumme null, Typ nicht definiert).
Bezüge
- Brauchwasser — Bedienung des Dialogs und Katalogpflege
- Berechnung: Wärmebedarf — wie der Kanal in den Gesamtbedarf eingeht
- Berechnung: Prozesswärme — dieselbe Profilroutine
- Berechnung: Strombedarf — dieselbe Profilroutine
- Berechnung: Pufferspeicher — Speicherung und Bereitschaftsverluste