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Programm Dokumentation/Berechnung/Wärmequelle Erdreich

Aus wiki.epos-plan.de
Version vom 6. September 2026, 17:35 Uhr von Epos (Diskussion | Beiträge) (H13: Hilferubrik Berechnung aus EPOS-Plan (Stand 06.09.2026))
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Was berechnet wird

Zwei Dinge, die zusammengehoeren, aber getrennt laufen:

  1. Die Quelltemperatur einer erdgekoppelten Waermepumpe ueber das Jahr — 8 760 Stundenwerte in °C. Sie geht in die Kennlinie ein und bestimmt damit Leistungszahl und Leistung der Waermepumpe.
  2. Die Auslegungspruefung nach VDI 4640 Blatt 2 — nach einem Simulationslauf wird der tatsaechliche Entzug gegen die zulaessigen Grenzwerte gehalten.

Grundlage der Temperaturrechnung ist VDI 4640 Blatt 1, Entwurf 2021-12 (Gruendruck); die Auslegungspruefung folgt VDI 4640 Blatt 2:2019-06 (Weissdruck), Anhaenge A und B. Der Entwurfsstand von Blatt 1 ist bewusst gewaehlt und wird hier ausdruecklich genannt.

Eingangsgrößen

Groesse Einheit Herkunft im Programm
Quellsystem: Erdkollektor oder Erdsonde Dialog „Wärmequelle Erdreich", Abschnitt „Quellsystem"
Verlegetiefe (Kollektor) bzw. Laenge je Sonde m Dialog „Wärmequelle Erdreich", Feld „Verlegetiefe" bzw. „Länge je Sonde"
Kollektorflaeche Dialog „Wärmequelle Erdreich", Feld „Fläche"
Anzahl Sonden Dialog „Wärmequelle Erdreich", Feld „Anzahl Sonden"
Bodentyp Dialog „Wärmequelle Erdreich", Feld „Bodentyp" (13 Untergrundtypen)
Klimazone nach DIN 4710 1…15 Dialog „Wärmequelle Erdreich", Feld „Klimazone"; die Karte hilft bei der Wahl
Nutzbare Spreizung der Quelle K Dialog „Wärmequelle Erdreich", Feld „Nutzbare Spreizung"; nicht gepflegt = 5 K
Aussentemperatur der Klimaregion °C Klimaregion des Projekts, 8 760 Stundenwerte in Ortszeit
Waermeproduktion und Strombedarf der Waermepumpe kW je Stunde Ergebnis des Simulationslaufs

Rechenweg

1. Den Jahresgang der Aussenluft bestimmen

Das Erdreichmodell braucht drei Zahlen aus dem Aussentemperaturvektor: das Jahresmittel T_m, die Amplitude A und die Stunde des Minimums t_min.

Sie kommen nicht aus den Extrema der Stundenwerte — die ueberschaetzen die Amplitude erheblich —, sondern aus einer Ausgleichsrechnung ueber die zwoelf Monatsmittel gegen Kosinus und Sinus des Jahresgangs (2×2-Normalgleichung mit den exakten Monatsmitteln der Regressoren). Aus den beiden Koeffizienten folgt

A     = Wurzel( a1² + b1² )
t_min = atan2(-b1, -a1) / omega        mit omega = 2*pi / 8760 [1/h]

Wann Ersatzwerte gelten. Ein 8 760er-Feld kann formal vollstaendig sein und trotzdem keine Klimadaten enthalten. Der Rechenkern prueft deshalb vier Dinge und faellt sonst auf das Deutschland-Mittel nach VDI 4640 Blatt 1 zurueck:

zu kurz oder nicht vorhanden
mehr als 5 % exakte Nullen                     -> Feld nur teilweise befuellt
Jahresmittel ausserhalb -10 … +25 °C           -> kein bewohnter Standort
Amplitude < 1 K und Mittel ausserhalb 0 … 20 °C -> kein Konstantvektor, sondern Datenrest
Ersatzwerte: T_m = 9,5 °C, A = 8,5 K, t_min = Stunde 480 (zweite Januarhaelfte)

Dass mit Ersatzwerten gerechnet wurde, sagt der Dialog an.

2. Erdkollektor — Jahresgang nach Kusuda

T(z,t) = T_m - A * exp(-z/d) * cos( omega * (t - t_min) - z/d )

mit der Daempfungstiefe

d = Wurzel( 2*a / omega )       a = lambda / (rho*c_p),  a in m²/h umgerechnet

Die Verlegetiefe z daempft die Amplitude mit exp(−z/d) und verschiebt zugleich die Phase um z/d Radiant — in 1,5 m Tiefe in feuchtem Sand bleiben rund 58 % der Amplitude, und das Minimum kommt rund einen Monat spaeter als an der Oberflaeche (0,55 rad entsprechen 769 Stunden). Ohne Angabe gilt die Vorgabetiefe 1,5 m.

3. Der Bodentypkatalog

13 Untergrundtypen nach VDI 4640 Blatt 1, Tabelle 1. Angegeben sind der empfohlene Rechenwert der Waermeleitfaehigkeit lambda [W/(m·K)] und die volumenbezogene Waermekapazitaet rho·c_p [MJ/(m³·K)]; die Temperaturleitfaehigkeit und die Daempfungstiefe folgen daraus.

Untergrund lambda rho*c_p a [mm²/s] d [m]
Ton/Schluff, trocken 0,5 1,55 0,32 1,80
Ton/Schluff, wassergesaettigt 1,8 2,40 0,75 2,74
Sand, trocken 0,4 1,45 0,28 1,66
Sand, feucht (Vorgabe) 1,4 1,90 0,74 2,72
Sand, wassergesaettigt 2,4 2,50 0,96 3,10
Kies, trocken 0,4 1,45 0,28 1,66
Kies, wassergesaettigt 1,8 2,40 0,75 2,74
Geschiebemergel/-lehm 2,4 2,00 1,20 3,47
Tonstein 2,2 2,25 0,98 3,13
Sandstein 2,8 2,20 1,27 3,57
Kalkstein 2,7 2,25 1,20 3,47
Granit 3,2 2,55 1,25 3,55
Gneis 2,9 2,10 1,38 3,72

Ein unbekannter oder leerer Bodentyp ergibt Sand, feucht.

4. Erdsonde — konstante Quelltemperatur

Ab der neutralen Zone (10 bis 20 m) ist der Jahresgang abgeklungen; die Sonde bekommt deshalb eine ueber das Jahr konstante Quelltemperatur:

T = T_m + 1,5 K + 0,03 K/m * max( 0 ; Sondenlaenge/2 - 20 m )

1,5 K ist der Oberflaechenoffset, 0,03 K/m der geothermische Gradient, und 20 m die Untergrenze der neutralen Zone — bis dorthin stammt die Energie nach VDI 4640 Blatt 1 „fast ausschliesslich aus Sonneneinstrahlung und Sickerwasser". Massgeblich ist die mittlere Tiefe, also die halbe Sondenlaenge.

Beispiele bei T_m = 9,5 °C: 50 m Sonde ergibt 11,15 °C, 100 m Sonde 11,9 °C.

5. Die Weiche zwischen beiden — und ihr Sicherheitsnetz

Gerechnet wird als Sonde, wenn das Quellsystem „Erdsonde" sagt. Oder wenn die eingetragene Tiefe ueber 10 m liegt: Reale Verlegetiefen eines Kollektors liegen bei 1 bis 2 m, der Dialog begrenzt sie auf 10 m — alles darueber kann nur eine Sondenlaenge sein. Ohne diesen Riegel liesse die Kusuda-Daempfung (bei 90 m rund exp(−33) ≈ 0) die Quelle stillschweigend auf die Konstante T_m zusammenfallen. Der Fall kommt vor, weil die fuenf Felder des Dialogs einzeln geschrieben werden; er steht als Warnung im Laufprotokoll.

Fuer eine Waermepumpe vom Typ Luft-Wasser bleibt das Erdreich wirkungslos: Ihre Quelle ist immer die Aussenluft, egal was hier konfiguriert ist. Solche Anlagen werden auch nicht geprueft — sonst stuende eine VDI-4640-Aussage ueber ein Erdreich im Ergebnis, das die Simulation nie angefasst hat.

6. Nach dem Lauf: die Entzugsgroessen

Entzugsganglinie [kW] = Waermeproduktion der WP - Stromaufnahme der WP     (je Stunde)
Jahresentzugsarbeit [kWh/a] = Summe der Entzugsganglinie
max. Entzugsleistung [W]    = Maximum der Entzugsganglinie * 1000
Volllaststunden [h/a]       = Jahresentzugsarbeit / Spitzenentzugsleistung

Alle drei Groessen kommen aus derselben Basis — der Stundenganglinie. Das ist wichtig: Frueher stammten Arbeit und Volllaststunden aus den Modul-Jahressummen, die Spitze aber aus der Ganglinie. Die Waerme, die die Waermepumpe zum Laden eines Senkenspeichers erzeugt, steckt nur in der Ganglinie — die Pruefung setzte damit einen zu kleinen Jahresentzug gegen eine zu grosse Spitze und fiel stillschweigend zu milde aus.

Mehrere Waermepumpen. Die Ganglinie liegt nur global vor, also fuer alle Waermepumpen-Module zusammen. Daraus die Stufung:

  • genau ein Modul → exakt, die globale Ganglinie IST die des Moduls;
  • mehrere Module, alle mit Erdreich → der Modulanteil wird proportional zur Modul-Jahresentzugsarbeit verteilt und als Naeherung gekennzeichnet;
  • gemischte Quellen → nicht je Modul trennbar, die Pruefung bleibt aus und der Hinweis sagt warum.

7. Auslegungspruefung Erdkollektor (Anhang A)

Geprueft werden zwei Groessen, und beide muessen eingehalten sein:

Entzugsleistung [W/m²]      = max. Entzugsleistung / Kollektorflaeche
Entzugsenergie  [kWh/(m²*a)] = Jahresentzugsarbeit / Kollektorflaeche

Die Grenzwerte stehen in Tabelle A2 — 15 Klimazonen nach DIN 4710 mal vier Bodenarten (Sand, Lehm, Schluff, sandiger Ton). Diese Tabelle ist vollstaendig hinterlegt. Die Spannen: von 5 W/m² und 12 kWh/(m²·a) (Zone 11, Sand) bis 42 W/m² und 69 kWh/(m²·a) (Zone 12 bzw. 5, sandiger Ton).

Die 13 Untergrundtypen aus Blatt 1 werden auf die vier Bodenarten aus Blatt 2 abgebildet — Textur zuerst, lambda als Feinabgleich, und im Zweifel konservativ:

  • Sand und Kies (alle Feuchtezustaende) → Sand. Blatt 2 kennt keinen Kies; „Sand" ist die naechstgelegene Kornklasse und fuehrt zugleich die niedrigsten Grenzwerte.
  • Ton/Schluff trockenSand. Hier schlaegt lambda die Textur: 0,5 W/(m·K) liegt deutlich unter dem kleinsten Rechenwert der Tabelle (Sand, 1,2).
  • Ton/Schluff wassergesaettigtsandiger Ton (bindig, lambda = 1,8 = genau der Tabellenwert).
  • Geschiebemergel/-lehm → Lehm.
  • Festgesteine (Tonstein, Sandstein, Kalkstein, Granit, Gneis) → sandiger Ton, die hoechste Klasse. Tabelle A2 gilt fuer Lockergestein; ein Flachkollektor im Fels ist ohnehin untypisch. Solche Ergebnisse werden als Naeherung gekennzeichnet.

Wird ein Grenzwert ueberschritten, nennt der Hinweis die erforderliche Flaeche — Beispiel: 250 m² in Zone 6 auf feuchtem Sand bei 6 480 W und 8 900 kWh/a ergeben 25,9 W/m² gegen 16 W/m² und 35,6 gegen 31 kWh/(m²·a); noetig waeren 405 m².

8. Auslegungspruefung Erdsonde (Anhang B)

Entzugsleistung [W/m] = max. Entzugsleistung / (Anzahl Sonden * Laenge je Sonde)

Der Grenzwert kommt aus Tabelle B2 („nur Heizen", Soleaustritt −5 °C bei Spitzenlast) und haengt an drei Groessen: der Waermeleitfaehigkeit des Untergrunds, der Sondenzahl (Reihe, Abstand 6 m) und den Jahresvolllaststunden. Zwischenwerte entstehen durch lineare Interpolation zwischen den Stuetzstellen.

Tabelle B2 ist nur als Auszug hinterlegt (in Umsetzung, Stand 06.09.2026): Stuetzstellen sind lambda = 1, 2, 3, 4 W/(m·K), 1 200 / 1 800 / 2 400 Volllaststunden und 1 bzw. 5 Sonden (bei 2 400 h: 1 bzw. 4). Ausserhalb wird auf den Randwert geklemmt — auf der Sondenzahl-Achse ist das nicht konservativ, weil die zulaessige Entzugsleistung mit der Sondenzahl sinkt. Ein solches Ergebnis traegt deshalb einen ausdruecklichen Vorbehalt.

Ueberschreitet der Istwert den Grenzwert, nennt der Hinweis die erforderliche Sondenmeterzahl.

9. Die zweite Warnbedingung: Frost

Geprueft wird ausserdem, ob Quelltemperatur minus Spreizung dauerhaft unter 0 °C liegt. Gezaehlt werden ausschliesslich die Betriebsstunden — in Stillstandsstunden entzieht niemand Waerme, eine Frostmeldung daraus waere gegenstandslos. Gewarnt wird ab 5 % der Betriebsstunden. Ohne gepflegte Spreizung gelten 5 K.

Der Bezug auf die Betriebsstunden ist Absicht: Eine Waermepumpe mit 2 000 Betriebsstunden haette bei Bezug auf 8 760 h erst ab 438 h gewarnt — also erst, wenn schon ein Fuenftel ihrer Laufzeit im Frost liegt.

Kein Widerspruch zur Auslegungspruefung. VDI 4640 Blatt 2 bemisst gegen eine minimale Soleaustrittstemperatur von −5 °C; eine rechnerisch unter 0 °C liegende Soletemperatur verletzt den Grenzwert also nicht. Die Frostbedingung ist eine ZUSAETZLICHE, strengere Anzeige.

Grenzen und Annahmen

  • Keine Rueckwirkung des Entzugs auf die Temperatur. Das Modell liefert den ungestoerten Jahresgang des Erdreichs; dass die Waermepumpe den Boden abkuehlt, ist nicht abgebildet. Auch die Regeneration (durch Solarthermie, Abwaerme oder den Sommer) wird nicht gerechnet. Genau dafuer gibt es die Auslegungspruefung: Sie haelt den Entzug gegen die Grenzwerte, unter denen die Norm eine dauerhaft tragfaehige Quelle erwartet.
  • Keine Langzeitbetrachtung. Ein Jahr, kein Absinken ueber 20 oder 50 Betriebsjahre.
  • Kein Sondenmodell. Bohrlochwiderstand, Sondenabstand, Verfuellung und Grundwasserstroemung kommen im Temperaturmodell nicht vor; die Sonde ist eine Konstante.
  • Ein Bodentyp je Anlage. Geschichteter Untergrund wird nicht abgebildet.
  • Die Randbedingungen der Normtabellen werden nicht geprueft. Tabelle A2 gilt fuer PE-Rohr 32 × 3,0 mm bei turbulenter Stroemung und Heizgrenztemperatur 12 °C, Tabelle B2 fuer eine Doppel-U-Sonde 32 × 3,0 mit Verfuellung lambda = 0,8 W/(m·K), Bohrloch 150 mm und turbulenter Stroemung. Bei laminarer Stroemung sinkt die zulaessige Entzugsleistung um rund 10 % (A2) bzw. auf Faktor 0,79 bis 0,85 (B1) — das ist vom Anwender zu beruecksichtigen.
  • Nur der Standardfall „Heizen ohne Trinkwarmwasser". Die uebrigen Betriebsfaelle (Tabellen B3 bis B7) und die Kapillarrohrmatten (Tabelle A3) sind nicht hinterlegt — in Umsetzung, Stand 06.09.2026.
  • Tabelle B2 nur als Auszug (siehe Schritt 8) — in Umsetzung, Stand 06.09.2026.
  • Normstand Blatt 1 ist ein Entwurf (2021-12, Gruendruck). Ergebnisse sind als solche auszuweisen.
  • Die Ergebnisse der Pruefung werden nicht gespeichert. Sie gelten fuer den Lauf der laufenden Sitzung; nach einem Programmstart steht im Dialog wieder „noch kein Simulationslauf".

Ergebnisse und wo sie stehen

  • Dialog „Wärmequelle Erdreich", Abschnitt „Jahresgang der Quelltemperatur" — das Bild des Jahresgangs, darunter Minimum, Maximum und Mittel samt Monat; ein Hinweis sagt an, wenn mit Ersatzwerten gerechnet wurde.
  • Dialog „Wärmequelle Erdreich", Abschnitt „Auslegungsprüfung nach VDI 4640 Blatt 2" — Istwert gegen Grenzwert je Pruefzeile, die Grundlage (Klimazone und Bodenart bzw. lambda, Sondenzahl, Volllaststunden), der Hinweis mit der erforderlichen Flaeche bzw. Sondenlaenge, dazu Vorbehalt und Frostmeldung.
  • Simulationsergebnis, Reiter „Wärmepumpe" — Waermeproduktion und Strombedarf, aus denen der Entzug gebildet wird.
  • Laufprotokoll — die Warnung bei unstimmiger Tiefe und die Meldung, wenn eine Quelle nicht geprueft werden kann.

Bezüge