Jump to content
Menü aufrufen
Toggle preferences menu
Persönliches Menü aufrufen
Nicht angemeldet
Ihre IP-Adresse wird öffentlich sichtbar sein, wenn Sie Änderungen vornehmen.

Programm Dokumentation/Berechnung/Heizkessel

Aus wiki.epos-plan.de
Version vom 6. September 2026, 21:29 Uhr von Epos (Diskussion | Beiträge) (H13: Hilferubrik Berechnung aus EPOS-Plan (Stand 06.09.2026))


Was berechnet wird

Der Heizkessel ist die Spitzenlast- und Rückfallstufe der Wärmeversorgung. In jeder Stunde deckt er den Bedarf, der nach den vorgelagerten Erzeugern noch offen ist, und lädt — als letzter Lader der Kaskade — Pufferspeicher nach. Ergebnisgrößen sind die Nutzwärme (Direktdeckung plus Speicherladung), der Brennstoffverbrauch einschließlich der Stillstandsverluste, die Emissionen, der Jahresnutzungsgrad je Kessel, die Gasspitze und die verbleibende Restwärme.

Der Brennstoffverbrauch entsteht stündlich, nicht als Jahrespauschale: Läuft der Kessel in einer Stunde, folgt sein Verbrauch dem Wirkungsgrad; steht er, wird ihm der anteilige Bereitschaftsverlust angelastet.

Eingangsgrößen

Größe Einheit Herkunft im Programm
Offener Wärmebedarf je Kanal (Heizung, Brauchwasser, Prozess) kWh je Stunde Ergebnis der vorgelagerten Kaskadenstufen
Thermische Nennleistung kW Kesselkatalog, Feld „P thermisch"
Brennstoff (Energieträger) Kesselkatalog, Feld „Energieträger"; im Projekt änderbar über „Brennstoff Variante"
Wirkungsgrad Gas — bzw. % Kesselkatalog, Feld „Wirkungsgrad Gas"
Wirkungsgrad Öl — bzw. % Kesselkatalog, Feld „Wirkungsgrad Öl"
Betriebsbereitschaftsverlust % Kesselkatalog, Feld „Betriebsbereitschaftsverlust"
Emissionsfaktoren CO₂, SO₂, NOₓ, Staub g/MWh Energieträgerkatalog (Brennstoff) — nicht der Kesselkatalog, siehe „Grenzen und Annahmen"
Vorlauf, Rücklauf °C Dialog „Heizkessel", Abschnitt „Modul", Felder „Vorlauf" und „Rücklauf" (nur für den Quellbezug aus einem Puffer)
Wärmesenken und Ladeaufträge Simulationskonfiguration, Karte des Kessels („Wärmesenke", „Pufferspeicher")
Ladepriorität 1…99 Simulationskonfiguration; Vorgabe 40 für den Heizkessel
Kaskadenplatz 1…4 Simulationskonfiguration, Kaskadenband

Formelzeichen und Parameter

Die Schreibweise ist die der ganzen Rubrik: t ist die Stunde des Jahres (1…8 760), Q eine Wärmemenge, P eine Leistung, ϑ eine Temperatur in Grad Celsius, η ein Wirkungsgrad. Weil eine Stunde lang ist, sind Leistung und Energie hier zahlengleich: 1 kW über eine Stunde ist 1 kWh.

Parameter

Eingaben, Katalogwerte, Vorgaben und Konstanten. Sie ändern sich innerhalb eines Laufs nicht.

Symbol Bedeutung Einheit Herkunft
Pnenn thermische Nennleistung des Kessels kW Kesselkatalog, Feld „P thermisch"
ηGas Wirkungsgrad bei gasförmigen und festen Brennstoffen Kesselkatalog, Feld „Wirkungsgrad Gas"; ein Wert > 1,5 gilt als Prozentangabe
ηÖl Wirkungsgrad bei flüssigen Brennstoffen Kesselkatalog, Feld „Wirkungsgrad Öl"; ebenso
qB Betriebsbereitschaftsverlust, bezogen auf die Nennleistung Kesselkatalog, Feld „Betriebsbereitschaftsverlust"; ein Wert > 1,0 gilt als Prozentangabe
IDB Kennung des Brennstoffs Kesselkatalog, Feld „Energieträger"; im Projekt über „Brennstoff Variante" änderbar
fE Emissionsfaktor je Schadstoff (CO₂, SO₂, NOx, Staub) g/MWh Energieträgerkatalog — nicht der Kesselkatalog
ϑVL Vorlauftemperatur des Kessels °C Dialog „Heizkessel", Abschnitt „Modul", Feld „Vorlauf"
ϑRL Rücklauftemperatur (Systemrücklauf) °C derselbe Abschnitt, Feld „Rücklauf"
η0 Wirkungsgrad, wenn der Katalog keinen brauchbaren führt Vorgabe: 0,90
sη Schwelle, ab der ein Wirkungsgrad als Prozentangabe gilt Konstante: 1,5 — Brennwertkessel erreichen Hi-bezogen rund 104 %
sq Schwelle, ab der ein Bereitschaftsverlust als Prozentangabe gilt Konstante: 1,0
sGas Schwelle des Gasverbrauchs, unter der die Gasspitze entfällt MWh Konstante: 0,1
ηa,max / ηa,neu obere Plausibilitätsgrenze des Jahresnutzungsgrads und der Wert, auf den gesetzt wird % Konstanten: 110 und 108
ηa,min untere Plausibilitätsgrenze des Jahresnutzungsgrads % Konstante: 1
Nmax größte Zahl Kessel je Projekt Stück Konstante: 10
r Ladepriorität des Kessels in der Ladeordnung Simulationskonfiguration; Vorgabe: 40 (Solarthermie 10, Wärmepumpe 20, BHKW 30)

Variablen

Größen, die der Lauf je Stunde oder je Kessel bildet.

Symbol Bedeutung Einheit berechnet in
t Stunde des Jahres, 1…8 760 Laufindex der Stundenschleife
Qoffen(t) offener Bedarf der eigenen Senkenkette kWh Eingang aus der Kaskade
Pverf(t) noch verfügbare Kesselleistung der Stunde kW Stundenschleife; zu Beginn Pnenn
Qdeck(t) in dieser Stunde direkt gedeckte Wärme kWh (3)
ϑQ(t) Temperatur des Quellpuffers an der Entnahmehöhe °C Pufferspeicher; bei geteiltem Puffer stündlich, sonst fest
a(t) Anteil der Nutzwärme, den der Quellpuffer beisteuert (4)
Qnutz(t) Wärme, die der Kessel an Kanal und Speicher abgibt kWh Summe über Bedarfsdeckung, Ladephase und Nachentladung
QPuffer(t) Entnahme aus dem Quellpuffer kWh (5)
QK(t) eigener, brennstoffbasierter Anteil der Abgabe kWh (6)
Qnutz,max(t) Obergrenze der Abgabe in dieser Stunde kWh (7)
QSp(t) Inhalt des Quellpuffers kWh Pufferspeicher (Eingang)
Qab(t) gesamte Abgabe des Kessels, einschließlich des Puffer-Anteils kWh Stundenschleife; entscheidet zwischen (10) und (11)
η Wirkungsgrad, mit dem diese Stunde rechnet (8) und (9)
QB(t) Brennstoffverbrauch der Stunde kWh (10) bzw. (11)
PGas,max Gasspitze des Projekts kW (12) und (13)
QGas,a Gasverbrauch des Projekts im Jahr MWh Jahressumme über die Gaskessel
QB,a Brennstoffverbrauch eines Kessels im Jahr, einschließlich Stillstand MWh Jahressumme über (10) und (11)
QK,a brennstoffbasierte Nutzwärme eines Kessels im Jahr MWh Jahressumme über (6)
mE Jahresemission je Schadstoff kg (14)
ηa Jahresnutzungsgrad des Kessels % (15) und (16)

Rechenweg

Gerechnet wird im festen Jahresraster von 8 760 Stunden. Höchstens Nmax = zehn Kessel je Projekt gehen in die Rechnung ein.

Schritt 1 — Kesseldaten auflösen

Je Kessel werden Nennleistung, Brennstoff, die beiden Wirkungsgrade und der Bereitschaftsverlust gelesen, dazu die Emissionsfaktoren des Brennstoffs. Zwei Werte werden dabei auf ihre Einheit geprüft:

η > sη  →  η = η / 100    (für ηGas und ηÖl)   (1)
qB > sq  →  qB = qB / 100   (2)

Die Schwelle sη liegt bei 1,5 und nicht bei 1,0, weil Brennwertkessel auf den Heizwert bezogen bis rund 104 % erreichen — als Faktor 1,035 gespeichert wäre ein solcher Wert mit der Schwelle 1,0 auf 0,01 zerlegt worden. Für den Bereitschaftsverlust genügt sq = 1,0.

Schritt 2 — Wärmeabgabe der Stunde

Zu Beginn jeder Stunde steht jedem Kessel seine volle Nennleistung zur Verfügung. Er deckt dann, solange Leistung übrig ist, den offenen Bedarf seiner Direktsenken — bei der Senkenart „beides" mit Warmwasservorrang:

Qdeck(t) = min( Pverf(t) ; Qoffen(t) )   (3)

Ein Kessel ohne Direktsenke deckt hier nichts; er lädt ausschließlich. Danach lädt er in der Ladephase seine Pufferspeicher bis zu deren Abschaltschwelle — mit dem Vorgaberang r = 40 ist er der letzte Lader der Kaskade, lädt also nur, was die anderen offen gelassen haben.

Schritt 3 — Wärmequelle Pufferspeicher (Kessel-Kaskade)

Ist dem Kessel ein Pufferspeicher als Wärmequelle zugeordnet, tritt dessen Temperatur an die Stelle des Systemrücklaufs. Der Kessel hebt dann nur noch den Rest an:

a(t) = ( ϑQ(t) − ϑRL ) / ( ϑVL − ϑRL ) ,  auf 0…1 begrenzt   (4)
QPuffer(t) = a(t) · Qnutz(t)   (5)
QK(t) = Qnutz(t) − QPuffer(t)   (6)

Nur QK kostet Brennstoff. Die Nennleistung begrenzt dabei den eigenen Beitrag; die Wärme aus dem Puffer kommt obendrauf:

Qnutz,max(t) = min( Pnenn / (1 − a(t)) ; Pnenn + QSp(t) )   (7)

Liefert der Puffer weniger, springt der Brennstoff für den Fehlbetrag ein — die Abgabe an den Kanal bleibt dieselbe. Bei einem geteilten Quellpuffer (er ist zugleich Senke eines anderen Erzeugers) folgt ϑQ(t) stündlich dem Speicherzustand an der Entnahmehöhe; ein eigenständiger Quellspeicher bleibt bei seiner festen Temperatur.

Ohne Quellpuffer sind a(t) und QPuffer(t) exakt 0, damit ist QK = Qnutz, und die Rechnung ist die des einfachen Falls.

Schritt 4 — Brennstoffbilanz der Stunde

Sie läuft genau einmal je Stunde und Kessel, nach Bedarfsdeckung, Ladephase und Nachentladung. Erst dann steht fest, was der Kessel insgesamt abgegeben hat.

η = ηÖl für IDB ∈ {6…9, 18…22} ,  sonst η = ηGas   (8)
η ≤ 0  →  η = η0 = 0,90   (9)
Qab(t) > 0  →  QB(t) = QK(t) / η   (10)
Qab(t) = 0  →  QB(t) = qB · Pnenn   (11)

Der Bereitschaftsverlust (11) genau einmal je Stunde zu buchen, ist die zentrale Bedingung: Fiele die Entscheidung je Kanal, entstünde er in einer Stunde zweimal, und der Jahresnutzungsgrad kippte entsprechend. Maßgeblich für „läuft der Kessel?" ist die Abgabe Qab, nicht der brennstoffbasierte Anteil QK — ein Kessel, der vorgewärmtes Wasser nur noch geringfügig anhebt, steht nicht still.

Bei Gaskesseln wird nebenher die Gasspitze mitgeführt: je Kessel der höchste Wert des Jahres, über alle Gaskessel aufsummiert.

PGas,max = ΣGaskessel maxt ( QK(t) / η )   (12)
QGas,a < sGas = 0,1 MWh  →  PGas,max = 0   (13)

Schritt 5 — Jahresbilanz, Emissionen, Nutzungsgrad

Nutzwärme und Verbrauch werden je Kessel auf MWh umgerechnet. Der Verbrauch geht auf den Brennstoffzähler seiner Gruppe:

Zähler Brennstoff-Kennung IDB
Gas 1…5 und 14 (Biogas)
Öl 6…9 und 18…22
Koks 10
Kohle 11
Holz 12
Strom (Elektrowärme) 13 — der Verbrauch wird zusätzlich als Strombedarf geführt, die Kesselganglinie wird zur Stromganglinie
Pellets 15
Rapsöl 16
Tierische Fette 17
Sammelposten „Sonstige" alles Übrige, unter anderem 23 (Fernwärme), 24 (Sonstige Energieträger), 25 (Wasserstoff)

Die Emissionen folgen dem gemessenen Jahresverbrauch:

mE = QB,a · fE / 1 000   (14)

Der Jahresnutzungsgrad wird aus den Jahressummen gebildet, nicht aus Volllastwerten. Im Zähler steht dabei die brennstoffbasierte Nutzwärme QK,a — bei einem Kessel mit Quellpuffer ist das weniger als seine Abgabe, denn der Puffer-Anteil hat ihn keinen Brennstoff gekostet:

ηa = QK,a / QB,a · 100   (15)
ηa > 110  →  ηa = 108 ;   ηa < 1  →  ηa = 1   (16)

Stand der Kessel das ganze Jahr — QK,a = 0 oder QB,a = 0 —, ist ηa = 0. QB,a enthält die Stillstandsstunden; deshalb liegt der Jahresnutzungsgrad unter dem Volllastwirkungsgrad des Katalogs, und zwar umso deutlicher, je kürzer der Kessel läuft.

Grenzen und Annahmen

  • Die fünf Emissionsspalten des Kesselkatalogs rechnen nicht mit (Befund W14a‑E‑8‑B1 vom
 06.09.2026). CO₂, SO₂, NOₓ, CO und Staub lassen sich am Kessel pflegen, der Lauf holt die Faktoren
 fE aber aus dem Energieträgerkatalog. Beim BHKW ist es umgekehrt: Dort zählen die
 Gerätewerte. Zwei Masken, die gleich aussehen, mit einem Unterschied, der im Katalogdialog jetzt
 als „nur Anzeige" beziehungsweise „Simulation" ausgewiesen ist.
  • Kein CO in der Bilanz. Der Energieträgerkatalog führt keinen CO-Faktor; die CO-Emission des
 Kessels ist deshalb immer 0.
  • Kein Teillastwirkungsgrad. η ist ein Wert je Brennstoffart, unabhängig von der Auslastung
 der Stunde. Ein modulierender Kessel wird damit nicht besser und nicht schlechter gerechnet als
 ein voll laufender.
  • Keine Taktung. An- und Abschalten innerhalb einer Stunde, Anfahr- und Abstrahlverluste über
 qB hinaus, Mindestlaufzeiten und Mindestpausen bildet das Modell nicht ab.
  • Der Bereitschaftsverlust hängt an der Nennleistung (11), nicht an der Kesseltemperatur und
 nicht am Speicherzustand.
  • Keine Brennwertrechnung als eigener Weg. Der Brennwertvorteil steckt im Wirkungsgrad des
 Katalogs — deshalb sind dort Werte über 100 % zulässig und beabsichtigt, und deshalb steht
 sη bei 1,5.
  • Keine hydraulische Grenze zwischen Quellpuffer und Kessel. Der Speicher hat eine Lade- und
 Entladeleistungsgrenze; einen eigenen Wärmeübertrager zwischen Puffer und Kessel kennt das Modell
 nicht. In (7) steht deshalb der Speicherinhalt und keine Übertragerleistung.
  • Höchstens zehn Kessel je Projekt.
  • Investitions-, Wartungs- und Brennstoffkosten sind Sache der Wirtschaftlichkeit, nicht des
 Laufs; der Lauf liefert ihr die Mengen.

Ergebnisse und wo sie stehen

  • Simulationsergebnis, Reiter „Heizkessel" — je Kessel Nutzwärme, Brennstoffverbrauch,
 Jahresnutzungsgrad ηa, Deckungsanteil und Emissionen; dazu die Ganglinie der
 Kesselleistung.
  • Simulationsergebnis, Reiter „Übersicht" — der Deckungsanteil des Kessels an der
 Jahreswärme und die verbleibende Restwärme.
  • Simulationsergebnis, Reiter „Wärmegang" — Direktdeckung und Speicherladung im Stapel der
 Erzeuger.
  • Simulationsprotokoll — nicht hinterlegte Kessel, wirkungslose Quellbezüge, Kessel zwischen
 zwei Erzeugern derselben Speicherstufe.
  • Bericht und Wirtschaftlichkeit — Brennstoffmengen, Gasspitze PGas,max und
 Emissionen gehen von hier in die Kosten- und CO₂-Rechnung.

Bezüge